Mit unserer Stellungnahme an das Niedersächsische Kultusministerium vom 30. September 2026 haben wir zur geplanten Reform der gymnasialen Oberstufe Position bezogen. Die Reform greift wichtige Anforderungen aus Studium, Ausbildung und Arbeitswelt auf. Insbesondere die stärkere Verankerung der beruflichen Orientierung, eine ausgeprägtere Praxis- und Projektorientierung sowie der Abbau unnötiger bürokratischer Belastungen bieten die Chance, Schülerinnen und Schüler gezielter auf ihre Bildungs- und Berufswege vorzubereiten. Nun kommt es darauf an, die angestrebten Ziele in der schulischen Praxis zu erreichen.
Berufliche Orientierung sollte eng mit der Praxis verzahnt werden. Unternehmen, Kammern, Wirtschaftsverbände, SCHULEWIRTSCHAFT und weitere außerschulische Partner können hierzu einen wichtigen Beitrag leisten. Neue Prüfungsformate können projektorientierte Kompetenzen stärker berücksichtigen, müssen aber durch nachvollziehbare Qualitätsstandards ergänzt werden, damit Aussagekraft und Vergleichbarkeit des Abiturs erhalten bleiben. Zugleich müssen schriftliche und wissenschaftsorientierte Kompetenzen dauerhaft abgesichert werden. Analytisches Denken, die eigenständige Bearbeitung komplexer Fragestellungen und die Fähigkeit zum strukturierten Schreiben müssen weiterhin feste Bestandteile der Oberstufe bleiben. Besondere Aufmerksamkeit sollte zudem den MINT-Fächern gelten, da sie für Innovation und Fachkräftesicherung von zentraler Bedeutung sind. Die Auswirkungen der Reform auf Studien- und Ausbildungsreife, Wahlentscheidungen, MINT-Fächer, neue Leistungsformate sowie die Vergleichbarkeit des Abiturs sollten deshalb systematisch evaluiert werden. Nur so kann die Reform junge Menschen erfolgreich auf Studium, Ausbildung, Beruf und gesellschaftliche Verantwortung vorbereiten.

